Für eine bedürfnisgerechte pflegerische Versorgung alter Menschen braucht es gut ausgebildete Pflegekräfte, die Freude an ihrem Beruf haben. Die gesellschaftliche Anerkennung der Altenpflege ist dafür ebenso wichtig wie die Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen. Warum nur wenige Menschen, die einmal den Beruf erlernt haben, in der Altenpflege bleiben, hat das BIBB (Bundesinstitut für Berufsbildung) in einer Langzeitstudie untersucht.
Zusammenfassung der Studie: Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat zwischen 1992 und 1997 eine bis dahin für Pflegeberufe einmalige Untersuchung über Berufseinmündung und Berufsverbleib von AltenpflegerInnen in den ersten (fünf) Berufsjahren durchgeführt. Forschungsprojekt ergänzt Untersuchungen über den Erwerb beruflicher Qualifikationen und ihre Verwertungsbedingungen in gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufsfeldern um den Bereich der Altenpflege, einem beschäftigungsintensiven Segment des Berufsfeldes "Pflege" und des humanen Dienstleistungssektors insgesamt.
In der Altenpflege sind fünf Jahre nach Ausbildungsabschluss noch etwa 18% der AbsolventInnen von 1992 im erlernten Beruf tätig; und auch für die jetzt noch Verbliebenen trägt die Ausbildung nach Ergebnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) längstens neun Jahre. 18% sind jetzt in einem anderen Beruf tätig, etwa 10% haben ein Studium aufgenommen; 55% sind definitiv ausgestiegen; über ihre weitere berufliche Entwicklung gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine genauen Informationen.
Unter den herrschenden und von den befragten AltenpflegerInnen
ausgiebig kritisierten Bildungs- und Arbeitsbedingungen ist
Altenpflege kaum mehr als "Lebensberuf" zu betrachten.
Während 1994 noch etwa 65 % die Frage, ob Altenpflege
für sie ein Lebensberuf sei, mit JA beantworteten, hat
sich die Zustimmung zum Beruf bis 1997 dramatisch reduziert:
Jetzt, am Ende des fünften Berufsjahres sind es nur noch
knapp ein Drittel der Befragten, die den Beruf auf Dauer ausüben
wollen oder können. Insofern bleiben die harten Ausstiegsbewegungen,
das definitive Verlassen des Berufs, ja des Berufsfeldes,
das zentrale Problem für die berufliche Altenpflege.
Bei 78% der "aussteigenden" AltenpflegerInnen wird
1997 explizit "die Pflegeversicherung", die ein
an (Pflege-)Standards und menschlich verantwortlichen Kriterien
orientiertes berufliches Arbeiten nicht mehr zuläßt,
als Ausstiegsgrund genannt.
Unter diesen Bedingungen in der Altenhilfe muß mehr
denn je davon ausgegangen werden, daß nach fünf
Jahren Berufszugehörigkeit in etwa das äquivalent
eines Ausbildungsjahrgangs den Beruf wieder verlassen haben
wird. Die Abkehr vom Beruf gilt im übrigen auch für
Frauen, die aufgrund einer Schwangerschaft und/oder für
den Erziehungsurlaub den Beruf verlassen: 85% von ihnen geben
mindestens als "Zweitgrund" für die Entscheidung,
eine Familie zu gründen, massive Unzufriedenheit mit
dem Beruf Altenpflege an. Ein weiteres Problem, das sich 1997
das erste Mal sehr deutlich zeigt, ist die Arbeitsvertragsgestaltung
in der Altenhilfe: Immer weniger AltenpflegerInnen erhalten
überhaupt noch einen ihrem Abschluss gemäßen
Arbeitsvertrag.
(BIBB 1999)